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Review ׀ Saint Helena Festival 2018 im Münchner Feierwerk

Es traten folgende neun Bands auf: Cranial (14.45 – 15.30 Uhr, Kranhalle), Fuoco Fatuo (15.35 – 16.20 Uhr, Hansa), Obelyskkh (16.25 – 17.15 Uhr, Kranhalle), Dark Buddha Rising (17.30 – 18.30 Uhr, Hansa), Sangre de Muerdago (18.35 – 19.35 Uhr, Kranhalle), The Secret (19.45 – 20.45 Uhr, Hansa), Kringa (20.50 – 21.40 Uhr, Kranhalle), Converge (22.00 – 23.00 Uhr, Hansa) und Implore (23.05 – 00.00 Uhr, Kranhalle).

 

Wie man oben erkennt, gab es keine zeitlichen Überschneidungen, die Bands spielten jeweils im Wechsel, in der Kranhalle und in der Hansa, dazwischen blieben immer 5 Minuten, um kurz an die frische Luft zu gehen, sich ein Bier zu holen oder anderen (Grund-)Bedürfnissen nachzugehen.

Wir wurden am Einlass freundlich empfangen, die Stimmung war von Anfang an entspannt und positiv, schon eine Viertelstunde vor Beginn sammelte sich eine ansehnliche Gruppe Metal-Fans im kleinen Biergarten, der extra für die Veranstaltung hergerichtet worden war. Bei sommerlichen Temperaturen und Sonnenschein schmeckte das kühle Augustinerbier besonders gut, für Hungrige gab es eine kleine Auswahl an Snacks an einem Imbisswagen, es war also für alles gesorgt, die Rahmenbedingungen passten. Auch die Vorfreude auf die Bands trug ihren Teil zur metallischen Wohlfühlatmosphäre bei. Es konnte losgehen!

 

 

Pünktlich um 14.45 Uhr betraten die Atmospheric-Sludge-Metaler Cranial die Bühne der Kranhalle und legten los. Der Wechsel zwischen kraftvollen Passagen mit schnellen Schlagzeugrhythmen und Growls zu ruhigen, fast meditativen Momenten überzeugte, die Halle war schon zu früher Stunde gut gefüllt, die ersten Headbanger schwangen zufrieden ihre Köpfe, die Menge ging mit der Musik mit, mal in sich gekehrt und ruhig mit geschlossenen Augen, mal ganz aufgeweckt und bewegungsfreudig im Nackenbereich. Die Band verzichtete gänzlich auf Ansprachen ans Publikum, Bastian, der junge Frontmann, wirkte konzentriert, hin und wieder huschte ihm ein kleines Lächeln übers Gesicht, meist aber zeigte er sich ernst und ging wie seine Bandkollegen ganz in der Musik auf. Ein solider Auftritt einer inspirierten Band und zugleich ein gelungener Festivalauftakt.

 

Weiter ging´s um 15.35 Uhr mit der italienischen Combo Fuoco Fatuo in der Hansa. Tiefe, dumpfe und schwere Klänge machten sich in der Halle breit und brachten die Fans in eine wohlig-düstere Stimmung. Musikalisch traf die Band nicht ganz meinen Geschmack, aber viele der hier Anwesenden waren sichtlich anderer Auffassung und genossen feierlich den grollend dargebotenen Funeral Doom, meist in ruhiger Pose, zum Teil auch Kopf schwingend und Hörner hebend. Nach so viel atmosphärischer Dichte und Dunkelheit freuten wir uns über eine kurze Pause im Sonnenschein, bevor es in der Kranhalle mit der nächsten Band weiterging.

 

Und wieder einmal stellten wir fest – v.a. im Vergleich zum Rockavaria eine Woche zuvor: Wie angenehm doch kleine Festivals sind! Kurze Wege, kein langes Anstehen, weder an den Toiletten, noch an der Bar, man bekommt schnell, was man braucht, um den Metal und das metallische Drumherum zu genießen!

 

Auf Obelyskkh hatte ich mich schon im Vorfeld besonders gefreut. Sie wurden mit ihrer abwechslungsreichen Stoner-Doom-Noise-Psych-Mischung auch zu meinem persönlichen Festival-Highlight. Besonders hervorzuheben ist die Bühnenpräsenz des Schlagzeugers Steve Paradise, der sowohl mimisch als auch musikalisch alle Register zieht. Es wirkt herrlich durchgeknallt und sympathisch gleichermaßen, wie er mit verzerrter Mine und verdrehten Augen auf sein Schlagzeug eindrischt, während ihm die musikalische Leidenschaft, eine Prise Wahnsinn und der Schweiß aus allen Poren dringt. Im Gegensatz zu den beiden Bands zuvor, nahm Obelyskkh bald Kontakt zum Publikum auf, heizte die Metalheads an, reagierte dankbar auf deren Zuspruch und konnte somit auf ganzer Linie überzeugen, was auch der herzhafte Applaus und die steil nach oben gerichteten Hörner am Ende der Show belegten. Ich war nach Obelyskkh jedenfalls sehr erquickt, meine Nackenmuskeln waren gut trainiert und ich hatte Lust auf mehr.

 

Dark Buddha Rising, die finnischen Drome/Stone-Doomer, baten kurz darauf in der Hansa ein besonders düsteres Schauspiel an und ließen die Fans, ähnlich wie zuvor Fuoco Fatuo, genüsslich in Schwere und Dunkelheit schwelgen. Leidend kroch der Sänger Vesa Ajomo über die Bühne, zeigte dramatische Gesten, kreischte dabei schmerzerfüllt und verzerrt, während der Bass in den tiefsten Tiefen wummerte. Ein Superlativ an intensiv zelebrierter Schwermut und Schwärze, kurzum: schwarz, schwärzer – am schwärzesten. Wer darauf steht, wurde hier voll bedient.

 

Nach so viel betörender Dunkelheit zog es uns wieder kurz an die (nun sehr grell wirkende) Sonne, bevor es mit Sangre de Muerdago, den wahren Exoten des Festivals, weiterging. Es war eine mutige, zugleich aber auch kluge Entscheidung der Organisatoren, die Neo-Folker mit ihren ruhigen und besinnlichen Harfen-und Gitarrenklängen zum Saint Helena einzuladen. Natürlich fielen sie musikalisch stark aus der Reihe, sorgten wohl bei dem ein oder anderen Metalhead für einen irritierten WTF?-Moment, doch letztendlich waren Sangre de Muerdago eine selige kleine Oase in der bislang stark beschallten Kranhalle und boten damit eine zeitlich gut platzierte Gröl-und Nackenmuskelpause. Die Töne würden schließlich bei The Secret, Kringa, Converge und Implore wieder deutlich härter, schwärzer und auch aggressiver werden. So saßen die zuvor noch düster-headbangenden Metaler nun friedlich und ruhig im Schneidersitz auf dem Boden, es sah fast aus als meditierten sie zu den sanften Weisen der Spanier. Die Halle war jetzt deutlich leerer als zuletzt bei Obelyskkh, aber alle Anwesenden zeigten sich angetan in ihrer stillen Verzückung und friedvollen Trance.

 

Was für die meisten eine Verschnaufpause war, vor der nächsten harten Metal-Runde, war für uns ein gelungener Abschluss, denn „unsere Highlights“, namentlich Cranial und Obelyskkh hatten bereits gespielt und wir wollten noch ein wenig in diesen schönen Eindrücken schwelgen, ohne am Ende noch reizüberflutet zu werden. Zufrieden und metallisch beglückt verließen wir nach fünf Stunden abwechslungsreichen und entspannten Festivalgenuss das Gelände. Abschließend bleibt zu sagen: Das Saint Helena Festival ist gut organisiert, die Atmosphäre ist angenehm und entspannt und der Besuch ist v.a. für Doom-Black-und Deathmetal-Liebhaber sehr zu empfehlen.